Ein Räte-ABC aus dem Jahr 1973
Einen sehr interessanten Einblick in das Tagebuch eines Thälmannpioniers welcher sich im Jahre 1973 in der Pionierrepublik aufhielt, bietet dieser Artikel auf http://www.memorandium.de .
ZITAT:
“Das Aufgeschriebene klingt so berichtsmäßig gruselig, weil man keine Lust drauf hatte, in dem straff organisierten Tagesregime.
Heute, 35 Jahre später, wird mir bewusst, wie ideologisch getrimmt wir damals wurden. Marschiererwettbewerb, Gedenklauf, Morgen für Morgen Appelle, Schießen, Begegnung mit »Genossen des Wachregiments der Staatssicherheit«, wie gelassen das da niedergeschrieben ist. Und wenn ich ehrlich bin, hat es auch Spaß gemacht. Wer in die Pionierrepublik fahren durfte, war etwas Besonderes, Schüler-Elite, Super-Pionier.”
Das Gesundheitsblatt
Gesundheitsblatt (m-w)
für einen mehrwöchigen Aufenthalt in der
Pionierrepublik „Wilhelm Pieck”
Hinweise für den Arzt
Der Inhaber dieses Teilnehmerheftes wird zu einem Lehrgang in die Pionierrepublik „Wilhelm Pieck” delegiert.
Dieser Aufenthalt wird eine Umstellung im Tagesrhythmus und insgesamt eine hohe physische Belastung, besonders in der Eingewöhnungsphase, mit sich bringen.
Aus diesem Grunde bitten wir Sie, die folgenden Hinweise bei Ihrer Tauglichkeitsuntersuchung zu beachten:
Pioniere mit chronischen Erkrankungen, körperlichen Behinderungen oder Kinder, die sich in der Rekonvaleszenzzeit nach schweren Erkrankungen befinden, sind erfahrungsgemäß den gestellten Anforderungen nicht gewachsen und sollten nicht delegiert werden.
Eine für Diabetiker oder eine andere erforderliche strenge Diätkost kann nicht verabreicht werden.
Bei laufender medikamentöser Behandlung (z. B. eingestellte Krampfleiden) bitten wir, auf dem Gesundheitsbogen einen entsprechenden Hinweis zu geben.
Wir bitten Sie, erforderliche Impfungen und Zahnbehandlungen vor der Delegierung zu veranlassen.
Ein Muster-Wochenplan aus der Pionierrepublik
Auf dem Wochenplan ist gut zu erkennen, das die “Aktuelle Kamera” zum Pflichtprogramm eines ca. 12 Jahre alten Thälmannpionieres gehörte. (AK/DU) (Aktuelle Kamera/ Duschen).
Am nächsten Morgen zum Appell, fand dann die Auswertung der am Abend zuvor ausgestrahlten Nachrichtensendung statt. Hierzu musste der Agitator der Pioniergruppe einen Schüler bestimmen, welcher in Stichpunkten die wichtigsten Themen ansprach.
Teilnehmerheft der Pionierrepublik
Ein Informationsheft für Eltern und Pioniere zur Vorbereitung auf den Aufenthalt in der Pionierrepublik. Das Dokument ist als HTML und als PDF-Version verfügbar. [zum Artikel]
Die Pionierrepublik Wilhelm Pieck
Die Pionierrepublik Wilhelm Pieck war das zentrale Pionierlager der Pionierorganisation Ernst Thälmann in der DDR.
Geschichte
Eine erste Pionierrepublik in der DDR wurde 1950 zum I. Deutschlandtreffen der Freien Deutschen Jugend in der Berliner Wuhlheide eingerichtet. Die dort gewonnenen Erfahrungen wurden für den Aufbau der Pionierrepublik Wilhelm Pieck in Altenhof am Werbellinsee genutzt, die sich in ihrer Gestaltung weitgehend am sowjetischen Allunions-Pionierlager Artek auf der Krim orientierte. Architekt der Gebäude war Richard Paulick, die Landschaftsgestaltung verantwortete Reinhold Lingner.
Am 16. Juli 1952 wurde das Pionierlager durch Wilhelm Pieck eingeweiht. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Erweiterungen und Umbauten vorgenommen, so dass das Lager 1989 eine Fläche von insgesamt 1,1 km² hatte. Zu den vielfältigen Einrichtungen auf dem Lagergelände gehörten unter anderem eine Kinderkrippe, eine Polytechnische Oberschule, Sporthallen, Cafés und eine mongolische Jurte.
Besucher
Die Gesamtzahl der Besucher der Pionierrepublik wird auf etwa 400.000 geschätzt. Jeweils etwa 1.000 Thälmann-Pioniere hielten sich hier gleichzeitig auf, sie wurden vom Freundschaftsrat der jeweiligen Schule dorthin delegiert, wobei normalerweise nur ein Schüler pro Schule teilnehmen durfte. Die Abordnung zum in der Regel sechswöchigen Aufenthalt galt als Auszeichnung.
Als Höhepunkt des Jahreslaufs wurden die „Internationalen Sommerlager“ gestaltet, die auch von Kindern aus anderen sozialistischen Staaten und aus ausländischen kommunistischen und sozialistischen Jugendorganisationen besucht wurden.
Während der Lagerdurchgänge außerhalb der Schulferien wurde den Teilnehmern auf dem Gelände der Pionierrepublik Schulunterricht erteilt.
In den zahlreichen sechswöchigen Lehrgängen für die aussichtsreichsten Pioniere fanden auch militärische Spiele, wie realitätsnahe Kampfmanöver, Nachtalarme, sowie Verdunklungsübungen statt.
Staatliche Unterstützung
Der Besuch der Pionierrepublik wurde staatlich stark subventioniert, 1988 lag der Zuschuss bei 40,– Mark der DDR pro Teilnehmertag. Darüber hinaus unterstützten zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen das Lager als Partnerorganisationen, zu ihnen gehörten das PCK Schwedt, der VEB Fernsehelektronik Berlin, der VEB Schiffsarmaturen- und Leuchtenbau Finow, die FDJ-Grundorganisation “Albert Hößler” und das Jagdfliegergeschwader “Hermann Matern”.
Nachnutzung
Das Gelände wurde nach 1989 privatisiert. Es wird unter anderem für Kinder- und Jugendfreizeiten, Trainingscamps, Ferienlager und Familienurlaube genutzt, der Name wurde in Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee GmbH geändert. Das Gelände steht mit fast allen Gebäuden unter Denkmalschutz.
Weblinks
* Homepage der EJB Werbellinsee mit umfangreicher Chronologie
GPS Koordinaten: 52° 55′ 31″ n. Br., 13° 43′ 35″ ö. L.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pionierrepublik_Wilhelm_Pieck
Stand November/2008


